Spende ermöglicht neuen Lebensabschnitt
Großes Gedränge herrscht im kleinen Ergotherapieraum im Mara Krankenhaus in Bielefeld-Bethel. Unter anderem Pflegekräfte, Therapeuten, eine Dolmetscherin sowie die Familie des kleinen Luca sind anwesend. Der Sechsjährige kuschelt sich schüchtern in den Arm seines Vaters. So viel Aufmerksamkeit um seine Person ist der rumänische Junge gar nicht gewöhnt. Alle möchten dabei sein, wenn an Luca eine besondere Spende übergeben wird. Als Überraschung bekommt er einen eigenen Gehtrainer – einen pacer.
Bis vor Kurzem musste Luca noch robben

Von Geburt an ist der Junge an einer bilateralen Cerebralparese erkrankt, die Haltungs- und Bewegungsstörungen verursacht. Vor etwa zwei Jahren wurde bei ihm zusätzlich eine Epilepsie diagnostiziert. In seiner Heimat, der Stadt Iasi im Nordosten Rumäniens, rieten die Ärzte auf Bewegungen zu verzichten.
Diese könnten Anfälle auslösen, hieß es.
Fortan waren seine Eltern gezwungen den Jungen durch die Gegend zu tragen, weil es keine geeigneten Hilfsmittel gab, die sie sich leisten konnten. Kurze Distanzen in der Wohnung legte Luca auf dem Boden robbend zurück.
Durch Zufall erfuhr die Familie von einer Spezialklinik in Deutschland – genauer dem Epilepsiezentrum des Krankenhauses Mara. Mit dem ersparten Geld reisten sie nach Bielefeld-Bethel, um dort von den Ärzten eine genaue Diagnose und Behand-lungsmöglichkeiten für ihr Kind zu bekommen. „Es war für uns die letzte Chance. Wir waren schon in der Türkei und Österreich. Aber dort konnte man uns nicht helfen“, erzählt Vater George. Während seines Aufenthaltes in Deutschland wurde sein Sohn umfassend untersucht – von MRT über EGK bis zu verschiedenen neurologischen Tests. Mit dem Ergebnis: zum ersten Mal wissen die Eltern, was ihrem Luca fehlt, welche Medikamente er einnehmen muss und wie sie ihn unterstützen können.
Gehen verursacht Freudentränen
Fern von ihrer Heimat Rumänien bekamen sie aber noch weitere Hilfe. Die Firma Schuchmann erfuhr von dem Schicksal der Familie und beschloss sofort dem kleinen Luca kostenlos den Gehtrainer pacer zur Verfügung zu stellen. Das in Hasbergen bei Osnabrück ansässige Unternehmen ist spezialisiert auf die Entwicklung, den Bau und Vertrieb von Hilfsmitteln für behinderte Kinder und Jugendliche.
Mit dem Gehtrainer im Gepäck besuchte René Althaus, Außendienstleiter der Firma Schuchmann, die Familie in der Kinderklinik. Nach Anpassung des Hilfsmittels, unternahm der Sechsjährige erste Gehversuche im Therapieraum. Ergriffen vor Freude konnte seine Mutter nur mühsam die Tränen zurückhalten. „Ich bin überrascht, welche Fortschritte Luca hier macht“, sagt die gelernte Bio-Ingenieurin. Und auch der Junge ist begeistert, obwohl er erschöpft von den ungewohnten Bewegungen nach wenigen Minuten pausieren muss. Zuhause wäre das erst gar nicht möglich gewesen. „Wir sind jetzt endlich mobil und können auch Ausflüge unternehmen“, freut sich Vater George.
Aufbau eines Zentrums für behinderte Kinder
In ihrem Heimatland möchten er und seine Frau mittelfristig eine privat-organisierte Einrichtung für behinderte Kinder aufbauen. Denn das nächstgelegene medizinische Zentrum befindet sich im 500 Kilometer entfernten Bukarest. Zu weit für Unter-suchungen oder Notfälle. Gleichzeitig sollen sich in dem Zentrum andere betroffene Familien treffen und austauschen können, schildert Vater George seine Pläne. Um bereits jetzt seinem Sohn besser helfen zu können, hat er eine Umschulung begonnen. Der gelernte Polizist möchte Physiotherapeut werden








